Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
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Fast jedes wirksame Arzneimittel hat neben seiner Hauptwirkung auch Nebenwirkungen. Diese unerwünschten Arzneimittelwirkungen treten bei jedem Einzelnen unterschiedlich stark ausgeprägt auf. Ob eine Therapie mit einem Arzneimittel aufgrund der Nebenwirkungen umgestellt werden muss, hängt also vom Schweregrad ab. In den meisten Fällen sind die Nebenwirkungen erträglich oder sie werden gar nicht bemerkt.
Teilweise werden Nebenwirkungen erst nach der Markteinführung eines Arzneistoffes auffällig, wenn also eine große Gruppe von Menschen das Arzneimittel einnimmt. Manche UAW werden auch später als erwünschtes Wirkprinzip eingesetzt:
- So ist bei einem Präparat, das bei gutartiger Prostatavergrößerung eingesetzt wird, ein verstärkter Haarwuchs aufgetreten. Inzwischen wird dieser Arzneistoff sehr erfolgreich bei männlichem Haarausfall eingesetzt.
- Als Felix Hoffmann im Jahre 1887 für seinen schwer an Rheuma erkrankten Vater aus Salicylsäure und Essigsäure Acetylsalicylsäure (Aspirin®) synthetisierte, ahnte er nicht, dass Acetylsalicylsäure (ASS) heute auch zur Thrombozytenaggregationshemmung als Thromboseprophylaxe eingesetzt wird. In einer Dosierung von 500 – 1000mg wird ASS zur Behandlung von Schmerzen und Fieber eingesetzt, zur Prophylaxe einer Thrombose reichen 50-100 mg.
- Der Wirkstoff Minoxidil wird bei besonderen Fällen des Bluthochdrucks eingesetzt, wo andere Medikamente nicht die erwünschte Blutdrucksenkung erreichen. Auch hier wurde ein vermehrter Haarwuchs festgestellt, so dass der Wirkstoff auch in Form einer Lösung zur Behandlung von Haarausfall eingesetzt wird.
Was tun bei Nebenwirkungen?
Falls Sie nach Einnahme eines Medikamentes Nebenwirkungen bemerken, sprechen Sie sofort uns oder Ihren Arzt an. Oftmals hilft auch schon ein Blick in den Beipackzettel, der Ihnen Aufschluss darüber gibt, welche Nebenwirkungen (bisher) unter Einnahme des Medikamentes aufgetreten sind. Im Beipackzettel ist auch die Häufigkeit der Nebenwirkungen angegeben. Die Häufigkeitsangaben sind wie folgt definiert:sehr häufig: bei mehr als 10 Personen von 100 (d.h.: mehr als 10%)häufig: bei mehr als einer Person aber nicht mehr als 10 Personen von 100 (d.h.: 1- höchstens 10%)gelegentlich: bei mehr als einer Person aber nicht mehr als 10 Personen von 1.000 (d.h.: 0,1- höchstens 1%)selten: bei mehr als einer Person aber nicht mehr als 10 Personen von 10.000 (d.h.: 0,01- höchstens 0,1%)sehr selten: bei weniger als 10 Personen von 10.000 (d.h.: weniger als 0,01%)
Bei neuen Wirkstoffen sind zumeist noch nicht alle Nebenwirkungen erfasst, da erst in einer großen Patientengruppe die Wahrscheinlichkeit steigt, dass alle Nebenwirkungen auftreten. Sollten Sie nach einer Einnahme also Nebenwirkungen bemerken, die nicht im Beipackzettel notiert sind, teilen Sie uns oder Ihrem Arzt diese auf jedem Fall mit. Wir können diese Nebenwirkungen dann erfassen und weiterleiten. Dadurch tragen Sie dazu bei, die Therapie sicherer zu machen!
„Wenn behauptet wird, dass eine Substanz keine unerwünschten Wirkungen zeigt, so besteht der dringende Verdacht, dass sie auch keine Hauptwirkungen hat.“
(Gustav Kuschinsky, Pharmakologe)




